Meine Erfahrungen beim Home-Video-Bearbeiten auf dem Computer

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Ich möchte auf dieser Seite zusammentragen, was ich an Erfahrungen bei der 'Auftrags'-Video-Bearbeitung von privaten Videos mit der 'Kundschaft' gemacht habe (natürlich kostenlos für Verwandte, gewerblich wäre mir das zu stressig). Dabei habe ich mir gedacht, zunächst einmal wichtige Erfahrungen in Regeln zusammenzufassen. Wieweit ich später noch auf wirkliche schnitt-technische Probleme eigehen werde, weiß ich im Moment noch nicht sicher. Vielleicht nützt diese Seite anderen in der gleichen Situation etwas bei ihrem Umgang mit ihrer 'Kundschaft'.

  1. Regeln für den Kameramann

    was bei der Aufnahme 'versaut' wurde, kann bei der Bearbeitung allenfalls etwas aufgebessert werden. Dies betrifft vor allem die Technik.
    Ein Beispiel: die Rausch- und Rumpelgeräusche des eingebauten Mikrofons können durch Audio-Rausch- und Rumpel-Filter nur sehr dürftig entfernt werden, weil beim 'Aufdrehen' der Filter auch das Nutzsignal extrem reduziert wird. Ähnlich geht es mit Farbfehlern, Unschärfen und Verwackelungen. Beachten Sie deshalb als 'Kameramann' folgende - an sich selbstverständlichen - Regeln:

    1. Kamera-Objektiv hin und wieder auf Fremdkörper und Verschmutzungen hin untersuchen (z.B. Flecken von Wasser)
    2. Wenn Sie keinen 'eigenen' manuellen Weißabgleich machen, bei Innenaufnahmen kurz warten, bis die Kamera wenigstens den automatischen Abgleich gemacht hat, - oder mit so viel 'Vorlauf' filmen, daß Start-Farbfehler weggeschnitten werden können.
    3. Verwackeln und Verkanten akribisch vermeiden, außer es dient einem 'gewollten' Effekt (selten!!). Wenn mit einer Digitalcamera Videoclips aufgenommen werden, ja nicht im Hochkantformat filmen, - Videos dieser Art liegen nacher zwangsläufig waagrecht ! (Man kann sie zwar drehen, aber es könnte leicht sein, daß Sie der 'Cutter' lautstark verflucht !!)
    4. Beim Hineinzoomen am Ende kurz warten (stationär bleiben). Nur in wenigen Einzelfällen dann anschließend nochmals wieder herauszoomen, z.B wenn sich an den herausgezoomten Zustand ein besonderer Schwenk anschließt. Überhaupt nicht dauernd hin- und herzoomen, - ja eigentlich überhaupt nicht zu oft zoomen !! Ein Zoom sollte dann kommen, wenn ein späterer Zuschauer den Wunsch haben könnte, etwas näher 'heranzusehen' und das ist gar nicht so oft, wie Sie sich das vielleicht einbilden, selbst wenn Sie der spätere Zuschauer sein sollten.
    5. Der hineingezoomte Zustand ist wie ein Teleobjektiv (!!), also: Verwackeln - wie in 3.) schon allgemein erwähnt - bestmöglich vermeiden. Dazu ein Satz meines Schulfreunds Klaus: "Für die meisten Leute ist Stativ ein Fremdwort !" - wo er recht hat...: /stare lat. = stehen/
    6. Schwenks langsam und mit ruhiger Hand ausführen. Nicht mehrfach hin- und zurück-, hinüber- und herüber-schwenken. Das bringt dasselbe Chaos wie das dauernde Hin- und Herzoomen.
    7. Denken Sie aber andererseits auch immer daran, daß Ihre Videocamera kein 'statischer Photoapparat' ist, sondern ein ganz besonderes Medium, das der Dynamik oder anders gesagt der Bewegung 'gewidmet' ist.
    8. Auf Mikrogeräusche, verursacht durch die Hand in der Griffschlaufe (z.B. auch Fingerring) oder den herumflatternden Objektivdeckel achten.
    9. Bei stärkerem Wind überlegen, wie dieser etwas abgeschirmt werden kann, - grundsätzliche Überlegung, ob denn jedes und wirklich jedes Original-Tonsignal später verwendet werden muß (so wichtig ist Euer Gequassel nun oft auch wieder nicht)!!
    10. Audio-Korrekturen beim Bearbeiten arten leicht in viel Arbeit aus. Entweder an teilweise 'Studionachvertonungen' denken oder gar - wenn möglich - besseres externes Mikro verwenden.
    11. bei Cameras mit Bandregistrierung (auch digital!!, also z.Zt. noch fast alle) in größeren Abständen Reinigungsband anwenden, spätestens wenn sich der 'Cutter' über Fleckenbilder und 'Brutzelgeräusche' an Clip-Anfängen beschwert. Solche Clips werden beim Zusammenstellen und Berechnen (Fachausdruck: Rendern) in vielen Programmen als fehlerhaft bewertet und das Projekt abgebrochen, - oft nachdem der Rechner schon lange Zeit gerechnet hat ('mittendrin aufhängen').
    12. falls Sie in die interessante Lage kommen sollten, Luftaufnahmen aus einem Ballon, Hubschrauber oder Ultraleichtflugzeug 'machen zu dürfen', dann beachten Sie bitte, daß hier ganz besonders das Obengesagte zu Zoomen, Kameraführung, Schwenks etc. zu berücksichtigen ist, sonst ernten Sie ein 'gewaltiges Gewackel'. Am besten ist, möglichst weit im 'Weitwinkelbereich' mit sehr gut ruhender Camera aufzunehmen. Inwieweit eine eingebaute 'Antiwackelvorrichtung' hilft, vermag ich nicht zu beurteilen, die Erfolge mit Stabilisierungsfiltern in der Bearbeitungssoftware sind jedenfalls eher dürftig.


  2. Gemeinsam mit dem Cutter die Ansprüche des 'Auftraggebers' klären:

    Besprechen Sie mit dem 'Cutter', was Sie vom Video erwarten, wieviel er z.B. wegschneiden darf, was unbedingt trotz technischer Mängel bleiben soll. Ob Video und Sound ordentliche Qualität haben sollen, oder ob nur alles hintereinander gehängt und auf DVD gebrannt werden soll. Sie bestimmen hiermit den Freiraum des Bearbeiters. Seien Sie ruhig ehrlich, zusammensetzen und 'auf DVD wegbrennen' geht ja immerhin wenigstens schneller und leichter. Wie umfangreich der Cutter derartige Fließbandarbeit auf die Dauer durchführen wird, muß allerdings ausgetestet werden, denn das ist eben auch echt stumpfsinnig. Melden Sie auch rechtzeitig spezielle Wünsche an, z.B. den Wunsch, ein Exemplar DVD im NTSC-Format nach Amerika schicken zu können u.a. ! Da es sich ja meistens um Urlaubsvideos handelt, kann man sich überlegen, ob man dem Cutter irgendwelche CDs oder Tondukumente für die Hintergrundmusik bereitstellen kann. Über das im folgenden erwähnte Zeitmarkenproblem reden. Merke: machen kann man viel bzw. fast alles, aber es muß schon auch der Aufwand in Betracht gezogen werden.

  3. Wichtige Eingangsvoraussetzungen für den Schnitt nicht vergessen


    Viele extrem kurze Szenenclips hintereinander sind im harten Schnitt videotechnisch und vor allem für den Betrachter echt unzumutbar, - zumal dann auch ein in diesem Fall zur Überbrückung des harten Schnitts notwendiger dezenter Blendenübergang noch zusätzlich 'Standzeit' vom Bild beansprucht. Da wäre ja dann schon eine Diashow angebrachter (das könnte sogar wirklich mit guten Digitalphotos in einem Videoprojekt leicht realisiert und auf interessante Weise integriert werden, - auch mit Zoom im Bild und Schwenk über's Bild etc.). Also: nicht bis in alle Ewigkeiten an einer Einstellung herumfilmen, aber mit etwas Vor- und Nachlauf vernünftig lange Szenen aufnehmen. Eine Regel über die Zeit kann nicht gegeben werden, das hängt auch von den Umständen ab. Bei dynamischen Abläufen ist die Zeit ja auch vom Ablauf selbst geprägt. Meine Beobachtung ist aber, daß gerade zu kurze Szenenclips paradoxerweise immer solche von festen statischen Einstellungen sind. Es wird sozusagen schnell mal abgeknipst, - dann wäre aber das obenerwähnte Vorgehen mit Digitalcamera eleganter. Das alles hängt wieder damit zusammen, daß die heutigen Videofilmer kein Gefühl für das Besondere des 'Films' haben. Hier zeigt sich ungelogen die Erfahrung bei alten Schmalfilm-Hasen.
    Bei Chronologie-Problemen, also der zeitlichen Reihenfolge von Szenen etc., dem Cutter möglichst ausreichende und transparente Informationen geben. Das vor allem auch beim Wunsch nach Zwischentiteln, 'wie Samstag,xx,xx,yyyy auf dem Faschingsumzug'. Es ist für den Cutter oft schwierig, herauszufinden, wo so ein Teil-Clip anfängt und aufhört, er weiß ja nicht, - ob Sie zuerst in Hinterindien waren oder in Vorderindien oder gar schon jenseits des Ganges. Da Sie es meiner Erfahrung nach manchmal auch selbst nicht mehr 'zusammenkriegen', ist es wichtig, daß Sie sich dann doch die eine oder andere Notiz machen. Das betrifft auch die 'Cassetten-Bepinkelung'.
    Bei Wunsch von time-stamp-Einblendungen berücksichtigen, daß das nicht bei allen Cameras im Recording-Prozeß (zum PC hin) klappt. Es ist auch absolut nicht schön, dauernd Zeitmarken einzublenden. Individuelle Zeitmarken können als Overlay-Titel eingeblendet werden, das artet aber schnell in viel Arbeit aus.
    Bedenken Sie, daß ein volles 60-Minuten-Band für eine Bearbeitung in guter Bildqualität schon fast zu lang für eine spätere 4,7GB-DVD ist, gut sind so ca. 50 Minuten. Überlegen Sie deshalb auch selbst schon vorher ein wenig, wie man das dann bei mehr DVDs geschickt in Teilprojekte aufteilen könnte.
    Denken Sie daran, daß der Aufwand für die bestmögliche Einhaltung der im vorliegenden aufgeführten Regeln schon zu mutbar ist - in Anbetracht der Tatsache, daß der Cutter ein vielfaches der Zeit an Ihrem Video sitzt, die Sie für die Aufnahme oder das spätere Angucken aufbringen!! Übrigens: Selbst für ein einfaches 'Umkopieren' Ihres Werks vom Band auf DVD braucht der Rechner grob etwa soviel Zeit, wie die Laufzeit des Videos ist. Eine Stunde PAL-Video sind immerhin ca. 90.000 Einzelbilder.